Es ist… Word!

Ich war ja in drei Monaten relativer geistiger Umnachtung in einem IT-Unternehmen beschäftigt. Dort haben Studenten die Software auf Fehler getestet (auch eine Art, Projektmanagement zu definieren, aber gut), die die Informatiker erst auf Grund unserer fehlerhaften Definitionen produziert haben und dann auf unsere Ansage wieder ausmerzen mussten.

Da hat unser Chef immer gesagt, wenn wir uns über MS-Office-Produkte aufgeregt haben, dass wenn “wir” es schaffen würden, Software zu produzieren, die in ihrer Funktion so umfangreich und doch so relativ wenig fehleranfällig ist wie beispielsweise MS-Word, dann hätten wir’s geschafft.

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Die Poesie der chaotischen Kreativität

Angelehnt an Kristins ‘Ein kleiner Gruß vom Schlachtfeld‘ (auf deren interessantes Sprachblog ich hiermit ausdrücklich hinweisen möchte; wir sehen uns in Mainz!), auch von mir einen kleinen Eindruck vom Schreibtisch. Der hat sich nämlich vor ein paar Wochen vom Arbeits- und Schlafzimmer in die Wohnküche verschoben, und der Küchentisch ist ins Schlafzimmer verbannt – das hält die Wege zu Kühlschrank, Kaffeemaschine und Radio effizient kurz.

schlachtfeld

Hier sei auch angemerkt, dass ich NUR so chaotisch arbeiten kann (wobei der S/W-Modus hier die gröbsten Zettelberge schlicht verschleiert). Wenn ich anfangen würde, aufzuräumen oder ‘Ordnung’ rein zu bringen, würde ich a) nichts mehr finden und b) sähe spätestens zwei Stunden später alles so aus wie vorher. So finde ich aber relativ fix alle Stellen wieder – die Gnade des grafischen Gedächtnisses! Und für alle anderen Fälle gibt’s Google Desktop.

Kristin, mein Schlachtfeld gewinnt!

Komentare (2)

Radikal mal Nein sagen

Wer sich intellektuell vielleicht etwas unterfordert fühlt, dem sei als Ostergeschenk die Radical Construction Grammar von William Croft ans Herz gelegt.

Wie sagte ich zu einem meiner Betreuer: “Ich hab mir auch mal Croft angeguckt. Das ist ja n büschen schwer zu verdauen. Und ich dachte mir, da darf ich als Magistrand auch mal Nein sagen!”

Gelächter.

Croft, William. 2003. Radical Construction Grammar. Syntactic Theory in Typological Perspective. Oxford.

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Zeitangaben und die referentielle Komponente

Im Englischen gibt es Konstruktion – mit und alternativ ohne Artikel – die nichts damit zu tun haben, ob’s ein Ire oder ein Mensch aus Oxford von sich gibt. Dazu zählen beispielsweise at night vs. in the night und in spring vs. in the spring. Die jeweils letzteren Konstruktionen sind speziell den Iren nachgesagt worden. Und niemand ist bisher (bis auf, ironischerweise, einige wenige Grammatiken für Standardenglisch) auf die semantische Komponente eingegangen, schon gar nicht für irisches Englisch.

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Dabei sein ist nicht alles, dabei bleiben schon

Du weißt, dass der Tag echt für die Katz war, wenn sich der word count nur vergrößert hat, weil du dein Literaturverzeichnis auf den neusten Stand gebracht hast.

Du weißt, dass du frustriert bist, weil die Fallhöhe nach Tagen absoluter Genialität unglaublich weh tut.

Du weißt, dass irgendwas schief läuft, weil der Grund, dass du dich unglaublich aufregst, ein unauffindbarer Kugelschreiber ist.

Du weißt, dass die Nerven blank liegen, weil du so unter Strom stehst, dass es zum Heulen nicht reicht.

Und Viren brauchst du wie n Pickel am Arsch.

Komentare (2)

18 Stunden im Leben eines Magistranden

(Für die Linguisten unter euch: ab 6 Uhr 25 wird’s richtig spannend.)

16.45 Ich wache auf, es ist kalt. Hab vergessen, die Heizung wieder anzustellen.

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Phrasenbingo

Es gibt sie vermutlich in jeder Disziplin: die besonders fleißigen Hänschen und Lieschen, die publizieren, als ging’s um wer weiß was. Die vermutlich neue Arbeitsplätze geschaffen haben und Angestellte beschäftigen, die nur damit beschäftigt sind, die Publikationsliste ihrer Chefs immer auf dem neusten Stand zu halten.

Also entweder sind diese Akademiker so extrem versiert in ihrem Fach, dass sie auf Zuruf einfach aus dem Stand ein Paper hinrotzen können, picobello mit neuen Forschungsergebnissen und Referenzen und Verweisen und Zitaten (wenn sie denn welche brauchen) und dem ganzen Kladeradatsch. Oder aber sie spielen Phrasenbingo in der Version für Wissenschaftler und/oder beschäftigen wiederum extra Adjutanten, die die Textbausteine für sie neu zusammenwürfeln.

Faszinierend.


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Olympischer Geist

Man sagt ja, dass man seinen Körper am Besten kennenlernt, wenn und indem man zur Höchstform aufläuft und alles aus seinem Körper rausholen muss (Der Leser merkt, für suz ist Olympia!). Ich merke es gerade im, äh, mentalen Bereich. Der Grat zwischen Genie und Wahnsinn ist, naja, schmal halt.

Tja, und dann gibt es so Tage, da weißt du schon vorm Aufstehen, dat wird nix. Dann ist es wie die Fernbedienung in den Kühlschrank legen oder die Unterhose über den Kopf ziehen. Oder, um im Duktus zu bleiben, Tage, an denen du nur Fahrkarten* schießt. Papierkorbtage eben.

Es ist ein unglaublich ekliges Gefühl, nicht das zu Papier bringen zu können, wovon man weiß, dass es wirklich genial wäre, wenn’s so aufm Bildschirm erscheinen würde, wie’s seit Wochen im Kopfkino abläuft. Anspruch und Wirklichkeit klaffen dann manchmal so frustrierend auseinander.

Fuß auf Vollgas, Fuß auf Bremse. Gleichzeitig.

*Fahrkarten bezeichnen im Biathlonjargon Fehlschüsse.

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Polemik auf der Überholspur

The rules and long lists of categories requiring one or the other article laid down in standard grammars manage to hide the amount of variation which actually exists in this domain of grammar even in Standard English (StE), let alone the numerous social or regional varieties of English, which do not give ‘two hoots’ for the grammarians’ best efforts to dictate ‘correct usage’. The situation is much the same as when travelling on roads: once you are outside the radar-control zones of the major roads, on ‘B’ roads, you can travel at whatever speek your driving skills and your vehicle may enable you to sustain without having to worry too much about speed control and traffic regulations. (Filppula 2001: 43)

Vermutlich jeder Erstsemester würde eine Hausarbeit mit derartiger Polemik um die Ohren gehauen bekommen. So würd’s jedenfall ich machen, wenn mir mal jemand sowas vorlegen würde.

Wenn’s lustig gemeint war: Gähn, Thema verfehlt.
Wenn’s ernst gemeint war: Keller, Rudi.

Aber ganz flott.

Filppula, Markku. 2001. The Highways and Byways of the English Definite Artilce. In: Hiltunen, R, K Battarbee, M Peikola & SK Tanskanen [eds]. English in Zigs and Zags. Turku. 43-51.
Keller, Rudi. 2003. Sprachwandel. Tübingen.

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Mein Tag hat 28 Stunden

Andere träumen davon – ich lebe es. Mein Tag hat 28 Stunden.

Ich bin aus gesundheitlichen Gründen seit fast zwei Jahren auf Medikamente angewiesen, die mein Schlafbedürfnis erheblich erhöhen. Das führt aber leider (oder glücklicherweise) nicht dazu, dass sich meine Wachphasen porportional verkürzen. Soll heißen: auf benötigte Schlafphasen von 10 Stunden folgen 18 Stunden, in denen ich teilweise quietschfidel bin. Die Wachphasen einfach auf 14 Stunden zu kürzen funktioniert nicht.

Die Schlaf-Wach-Rhythmus-Experimente der letzten Monate, also die Versuche, meinen Tagesablauf in einen 24-Stunden-Modus zu pressen, sind gescheitert. In den letzten drei Monaten habe ich mich jeden Morgen um halb acht per Telefonanruf wecken lassen müssen (”quatschen bis die Kaffeemaschine läuft”), um überhaupt wach zu werden. Wie gesagt, nicht weil ich faul bin – ich wache einfach nicht von selbst auf.

Angefangen hat es letzte Woche. Ich war vor 16 Uhr zu gar nichts zu gebrauchen, aber um 20 Uhr schon wieder so erschöpft, vor allem mental von wochenlangen unnatürlichen Wachphasen irgendwie zermürbt, dass die Frustration über das gar-nicht-Vorankommen überhand genommen hat. Also: was anderes ausprobieren! Derzeit gebe ich mich der Natürlichkeit meines Körpers hin. Schlafen wenn ich müde bin – und Aufstehen, wenn ich wach werde. Und zwar von selbst.

Und morgen werde ich vermutlich kein Tageslicht sehen.

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